Auszug aus „Teuflisch“

Ein dunkles Geheimnis

„Weiter weg von sämtlicher Zivilisation, ging es wohl nicht.“, murmelte Jill mit einem leicht sarkastischen Unterton, als sie aus ihrem Wagen stieg. Um sie herum gab es weit und breit nichts anderes, außer dem kleinen Motel zu dem er sie gerufen hatte. Sie hatte ihn um ein Treffen gebeten, aber es hätte ihrer Meinung nach, nicht ganz so im Nirgendwo sein müssen. Umgeben von weiten Feldern, wirkte das Gebäude beinahe wie aus einem zweitklassigen Horrorfilm und Jill schmunzelte bei dem Gedanken, das all die Regisseure keine Ahnung von wahrem Horror hatten. Die leuchtenden Lettern des übergroßen ‚‚No Vacancy‘‘ Schildes, erhellten die Umgebung in einem Umkreis von gut 500 Meilen und das weiße Neonlicht sorgte für beinahe taghelle Verhältnisse. Während sie zielstrebig zu dem Zimmer mit der Nummer 004 ging, fragte sie sich wie die Besucher bei diesem Licht bloß schlafen konnten. An der Tür angekommen, blieb sie einen Augenblick stehen und atmete tief durch. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals und sie fragte sich, wie sie ihm all das nur erklären sollte. Nach einem vorsichtigem Klopfen, öffnete sich die Tür einen Spalt und Jill trat ein. Niemand war zu sehen. Doch als sie den abgedunkelten Raum betrat, spürte sie seine Anwesenheit ganz deutlich. Sie hörte das leise klicken der Tür und wusste das er hinter ihr stand. Er umarmte sie und legte sanft seinen Kopf auf ihre Schulter.

„Ich hab dich vermisst.“, sagte er leise und sie spürte seinen warmen Atem in ihrer Halsbeuge. Ohne sich umzudrehen oder ihn anzusehen, strich sie ihm mit ihrer Hand über seine Wange und wanderte den Nacken hinauf, wo sich ihre Finger in seinen Haaren vergruben. Jill zog ihn noch ein Stückchen weiter zu sich und genoss den Augenblick.

Es war nicht das erste mal, das sie sich nach all dem mit Wesker traf. Als die Situation in Spanien eskaliert war, hatte Jill sich von allen zurück gezogen. Sie war untergetaucht, doch das hielt ihn nicht davon ab, sie aufzuspüren. Sie wusste das es nur eine Frage der Zeit war, bis er sie finde würde, weswegen sie auch nicht überrascht gewesen war, als sie eines Tages eine Nachricht von ihm erhielt. Er hatte ihr versprochen, sie und ihre gemeinsame Tochter zu beschützen. Eveline Valentine war in vielerlei Hinsicht besonders und genau das machte sie und Jill zu einer wandelnden Zielscheibe. Als Tochter von Albert Wesker vereinte sie neben Jills besonderer DNA eben auch seine, durch den Prototype Virus hervorgerufene Mutation und das machte sie in den Augen der Regierung, potenziell gefährlich.

„Wir sollten uns unterhalten.“, begann Jill nervös und er löste sich von ihr. Er spürte ihren Unbehagen und wusste das irgendetwas nicht in Ordnung war.

„Was ist los? Ist etwas mit Eveline?“, fragte er knapp und sah Jill prüfend an.

„Nein, es ist alles in Ordnung. Sie ist wunderbar.“, beruhigte Jill ihn, als sie seine nervöse Haltung sah.

„Geht es um die BSAA?“, wollte er wissen und wich ein Stückchen zurück. Jill wusste das es ihm nicht gefiel das sie überlegte Kontakt zu Chris aufzunehmen. Er war ihm immer noch ein Dorn im Auge und würde es auch ewig bleiben, doch Jill sehnte sich nach ihrem besten Freund.

„Ich habe Abby gefunden.“, kam es ohne weitere Umschweife von ihr und er erstarrte. Sie hatte was? Tausend Gedanken schossen ihm durch den Kopf und er ließ sich auf einen der beiden durchgesessenen Sessel sinken. Abby war tot, genauso wie ihre Mutter, wie konnte Jill sie gefunden haben?

Jill nahm auf dem gegenüberliegenden Sessel platz und sprach in ruhigem Ton weiter. „Genauer gesagt hat sie mich gefunden. Sie stand eines Tages vor meiner Tür und bat mich um Hilfe.“

„Wo ist sie jetzt? Wie geht es ihr?“ Er hatte sich vorgebeugt und auf seine Knie gestützt. Jill war es immer noch nicht gewohnt, ihn fürsorglich zu sehen. Doch die Nachricht das seine Tochter noch lebt, schien ihn ordentlich aus der Fassung zu bringen. Dieser Mann war ein wandelndes Monster, doch wenn es um seine Familie ging, wirkte er beinahe menschlich.

„Versprich mir, das du nicht ausflippst, wenn ich es dir erzähle, okay?“, versuchte Jill ihn milde zu stimmen. Sie wusste das er ausrasten würde, wenn sie ihm sagte wohin sie seine Tochter geschickt hatte.

„Jill!“, zischte er und seine Augen verengten sich.

„Sie ist auf der Flucht. Ich weiß nicht genau wer sie jagt, aber ich tippe darauf das es Söldner sind, die im Auftrag von Umbrella oder ähnlichem, handeln. Ihre Mutter ist tot und sie konnte diesem Anschlag nur knapp entkommen.“ Jill zögerte einen Moment bevor sie fortfuhr und beobachtete seine Reaktion. Er wirkte angespannt, doch als Jill Abbys Mutter erwähnte, verzog er keine Miene. Er hatte ihr damals von Addison erzählt, doch war er dieser Frau gegenüber immer gleichgültig gewesen. Abby war das Ergebnis eines One-Night Stands und außer Jill wusste niemand, das Wesker bereits damals Vater war.

„Ich habe sie bei mir versteckt, doch ich brauch dir nicht zu erzählen das sie uns über kurz oder lang gefunden hätten, also habe ich sie zur BSAA geschickt.“

„Du hast was?“ Er war aufgesprungen und Jill zuckte erschrocken zusammen. Sie kannte seine aufbrausende Art, doch ließ er diesen Charakterzug ihr gegenüber nur noch sehr selten durchblicken.

„Was hätte ich tun sollen? Du weißt ganz genau, das sie bei ihm am sichersten ist und ich konnte nicht riskieren, das man eine Verbindung zu Eveline herstellt.“, erhob Jill ihre Stimme und Wesker setzte sich langsam aber wütend zurück auf den Sessel. Er wusste das sie recht hatte, doch warum ausgerechnet zu ihm?

„Chris…“, presste er zwischen seinen Zähnen hervor und sah Jill prüfend an. „Du bist dir sicher, das er ihr helfen wird? Ich glaube das…“

„Ja bin ich.“, fiel sie ihm entschlossen ins Wort. „Vor allem kann sie sehr gut auf sich selbst aufpassen.“

„Weiß Eve wer sie ist?“, fragte er langsam und Jill sah, das er sich allmählich beruhigte.

„Ja das weiß sie. Was mich aber viel mehr interessiert, ist die Tatsache das du an deiner eigenen Tochter experimentiert hast.“ Er versteifte sich und wirkte beinahe angegriffen, als Jill ihn mit diesem Vorwurf konfrontierte.

„Ich habe sie niemals angerührt.“, begann er ruhig und ließ Jill dabei nicht aus den Augen. Er sah die Angst. Angst um ihre Tochter und Wesker konnte ihr das nicht einmal verübeln. „Es war William, der die Experimente an ihr durchgeführte hat. Hätte gewusst was da läuft, hätte ich das niemals zugelassen. Einige Zeit, nach ihrer Geburt, habe ich die Forschung verlassen und bin, wie du weißt, zu STARS gegangen. Als ich davon erfuhr, was Birkin mit meiner Tochter gemacht hat, war in der Stadt bereits die Hölle los. Es hieß, das sie und ihre Mutter die Säuberung nicht überlebt haben, also schloss ich mit all dem ab und verlor nie wieder ein Wort darüber.“

Jills Angst, war Mitleid gewichen und sie wusste nicht so recht was sie sagen sollte.

„Ich… Albert, ich hatte keine Ahnung.“

„Ist schon gut.“, sagte er knapp und lehnte sich in dem alten Sessel zurück. „All das liegt lange zurück und deine Bedenken waren ja auch…“ Er zögerte kurz. „…verständlich. Ich traue Chris aber nicht, was Abby betrifft.“ Er wirkte bedrückt und Jill sah ihm an, dass all das nicht so Spurlos an ihm vorüber ging, wie er ihr weiß machen wollte. Sie griff nach seiner Hand und verschränkte ihre Finger mit seinen.

„Dann vertrau mir.“ Er wich ihrem Blick aus, zog sie aber mit einem sanften Ruck zu sich herüber.

„Ich kann nicht.“, gab er zu und Jill wusste, das es an seinem Stolz nagte, das Chris auf seine Tochter aufpassen würde. Sie saß auf seinem Schoß und hob mit ihrer freien Hand sein Kinn an, so das sie ihm direkt in die Augen sehen konnte. Dieses leuchtende Rot, jagte ihr immer noch ein  Angst ein, doch sie war sich sicher, das er ihr niemals mehr wehtun würde. Sie war seine Schwachstelle und das war auch der Grund warum sie niemals zusammen sein konnten. Für den heutigen Abend, war all das aber egal. Sein Kinn immer noch zwischen ihren Fingern, senkte sie ihre Lippen langsam auf seine und Weskers Hände wanderten von ihrem Rücken hinauf, zu ihrem Nacken. Er zog sie an sich und Jill entwich ein leises Stöhnen, als er anfing ihren Hals entlang zu küssen. Sie genoss jede seiner Berührungen, als er ihre Bluse aufknöpfte und den leichten Stoff sanft über ihre Schultern streifte, bevor er sie zum Bett hinüber trug.

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