Roman Reischl Blog

Roman Reischl (Autor)

Das Lager

Früher, in Marzoll in meiner Kindheit haben wir einfach Lager gebaut im Wald. Unser Domizil, das dann von den „Feinden“ teilweise kaputt gemacht wurde. Wir revanchierten uns mit Gleichem. Es waren Wände aus Holz und Stecken, ziemlich primitiv, wie ein Lager anscheinend aussehen soll. Wir wussten nicht, was für eine Bedeutung das Wort Lager eigentlich haben kann in unserer Jugendbande. Heute denke ich darüber nach. Nicht das Aufbewahrungslager mit Obst und Gemüse ist es, was mich befasst. Vielmehr die Flüchtlingslager und Auffangstationen mit wenigen Betten, schäbiger Ausstattung und wenig Wasser. Für einige Menschen unumgänglich, so einen Ort zu beziehen als im Heimatland zu sterben bei einem Anschlag. Ich finde es schade, dass man Menschen „lagern“ muss oder die Unterkunft so bezeichnet. Sie steht normal für einen Zwischenhalt bis zur Auslieferung, hoffentlich kommen die Leute aus dem Krieg endlich wohlbehütet an ihrem Ziel an. Das Lager, das wir als Kinder bauten, gibt es nicht mehr. Ein paar verrottete Zweige erinnern daran, dass hier einmal was von den Kleinen gebaut wurde. Mindestens zweimal wurde es kaputt gemacht. Kriegsspiele. Aber ich schreibe hier nicht von Spielen, sondern der Realität. Vielen geht es so gut, dass sie sich erinnern sollten: Es sind Menschen, die zu uns fliehen. Sie haben Wünsche und Sehnsüchte und wurden belagert. Der Feind ist niemals weit weg auf dieser Welt. Er ist überall. Gewährt diesen Leuten eine Unterkunft, kein Lager. Es wäre unwürdig, denn diese Würde ist unantastbar, denkt immer daran, wenn ihr euch erinnert, welch wundervolle Kindheit ihr haben durftet. Ohne Krieg und Zerstörung und dem Tod der eigenen Eltern. Es ist nicht selbstverständlich, glaubt mir. Man denke nur an die sogenannten Konzentrationslager.marzoll

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am August 10, 2015 von in Lyrik.

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