Roman Reischl Blog

Roman Reischl (Autor)

VITALOGY (Mysteryroman) – Kapitel 2

planets

Seit Anfang 2015 schreibe ich an meinem dritten Roman, dem Mysteryprjekt „VITALOGY“ Es ist geplant, dass es nach Fertigstellung zunächst als eBook bei neobooks (Dromer Knaur) veröffentlicht wird. Nun gibt es hier im Blog ein Kapitel aus Band 1 zum Vorablesen. Es handelt sich um die unlektorierte Rohfassung auf meinem PC und ich hoffe, bei dem ein oder anderen Neugier zu wecken.

Viel Spaß!

 

KAPITEL 2

Wenn das Leben beginnt

Es ist nicht immer leicht, etwas zu glauben, auch wenn es einem manchmal angenehm erscheint, sich an etwas festhalten zu können.

Aaron wurde 1979 in einem kleinen Vorort von Bad Reichenhall in Oberbayern geboren und hat dort auf dem Land im Endeffekt eine wunderschöne und behütete Kindheit genossen. Zu dieser Zeit war er mondsüchtig, manchmal wandelte er durch das ganze Haus. Als er das an den Tagen darauf von seinen Eltern erfuhr, reagierte er zunächst ängstlich. Die Angst und innere Unruhe würde ihn wohl noch lange Jahre in seinem Leben begleiten.

Den Glauben an Gott hat er in seiner Jugend schon abgelegt. Er trat aus der Kirche aus und rebellierte im Religionsunterricht so lange, bis man ihn glücklicherweise in Ethik versetzen ließ.

An seinem 14. Geburtstag dachte sein Vater, dass der richtige Zeitpunkt gekommen war, seinem pubertierenden Sohn etwas anzuvertrauen, was ihm nicht leicht fiel. Aaron erfuhr, dass er eigentlich als Zwilling geboren wurde und dass seine Schwester tot auf die Welt kam. Der Junge war sichtlich geschockt und lief wochenlang sehr bedrückt durch die Gegend. Seine Gedanken lenkten schon damals in einer Richtung, die man als psychisches Problem betiteln würde.

„Bin ich schuld, dass sie tot ist? Wie kompliziert war meine….unsere Geburt? Musste sie sterben, weil ich im Mutterleib zu viel Platz brauchte?“

Das sind selbstredend auch Dinge, die so ein junger Mensch denkt, wenn er sich früh mit so etwas auseinander setzen muss. Aaron fing an, sich mit den Tierkreiszeichen zu beschäftigen. Gewiss schenkte er den Horoskopen in den Zeitungen keine große Aufmerksamkeit. Vielmehr schien es ihn zu interessieren, wie und warum der Mond und die Konstellation der Sterne den Menschen bei seiner Ankunft auf der Erde beeinflussen können. Er war sich sicher: Irgendetwas in unserem Universum wollte nicht, dass seine Schwester und er gemeinsam aufwuchsen.

Je öfter er abends am Fenster saß und den Mond beobachtete, desto mehr wurde ihm klar: Tote leben auch. Irgendwo existiert eine Welt für die, die von uns gegangen sind. Dort sind sie alle, egal in welchem Alter sie gestorben sind und diese Erde verlassen haben. Aaron wollte mit Hilfe der Sterne eine Brücke zwischen dem Reich der Lebenden hier und dem Reich der Toten dort finden. Es reichte ihm nicht, derer nur zu gedenken und sich auf ewig von ihnen zu verabschieden. Nach dem Ableben würden sie sich alle Wiedersehen. Dieser Planet, da war sich Aaron sicher, ist nur eine Zwischenstation zwischen zwei Dimensionen. Mit Gott oder gesandten Menschensöhnen hatte das für ihn überhaupt nichts zu tun. Ein Gesetz der Natur und der Beschaffenheit der Unendlichkeit stellte es dar. Lediglich der agnostische Gedanke, dass wenn es einen Gott gibt er wohl die gesamte Existenz sei. Keine Person und gewiss kein Vater eines Lebenwesens, wie es viele Religionen es beschreiben.

Vermutlich existieren die Toten nicht zwangsläufig in Menschenform dort im Jenseits. Sie könnten theoretisch auch Energie ohne Materie sein, ein Lichtstrahl beispielsweise. Durch diese Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod fiel ein wenig Ballast von Aaron´ s Seele ab. Seine Angstzustände beschränkten sich mehr auf das hier und jetzt als auf die Zukunft, wenn dann das Ende naht und schließlich eintreten würde.

Seine Zwillingsschwester Alexandra, so wollte sie der Vater der beiden nennen, war mit Aaron am 4. März im Sternzeichen Fische geboren. Nicht unbedingt eine leichte Übung, mit diesen Menschen fertig zu werden, vor allem wenn auch noch ein Aszendent Löwe mit in die wilden Karten hineinspielt.

Im jungen Erwachsenenalter analysierte Aaron die Tierkreiszeichen auf seine Art. Er beobachtete im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis, welche Schicksale und Lebensumstände diese Menschen hatten und ebensolche meisterten. Der ein oder andere scheiterte, doch natürlich war Aaron bewusst, dass das nicht nur auf das Horoskop zurückzuführen war. Interessant war jedoch, wie Leute verschiedenster Art und auch teilweise Herkunft mit dem Geschenk des Lebens umgingen. Aaron arbeitete nach seiner Ausbildung ein paar Jahre im Ausland und hatte somit Kontakte in ganz Europa, manchmal sogar von noch weiter her.

Aaron schrieb gerne. Neben Gedichten und kurzen Geschichten entstanden so viele fast schon philosophische Texte, dass manch einer hellhörig wurde. In eine Holzschale hatte er etwas eingebrannt. Ein HAIKU Gedicht. Das Werkstück wurde von ihm in der Ergotherapie einer psychiatrischen Klinik angefertigt. Der Aufenthalt dort hatte dem Querdenker ganz gut getan. Zwar sieht man in so einer Station viel Leid, vielmehr aber lernt man dort Individuen kennen, die einem nicht einfach so auf der Straße begegnen. Für ihn sind depressive, ängstliche und psychotische Leute keine armen kranken Kreaturen mehr. Bei Gott nicht. Diese grenzenlose Kreativität, Begeisterungsfähigkeit und Liebe zum Detail in allen Belangen, nicht nur im künstlerischen Schaffen hat Aaron ganz schwer beeindruckt.

Sein HAIKU, das im Holz verewigt war, sollte der Beginn sein eines neuen Lebensabschnittes. Mittlerweile steht es auf der Terrasse seiner Mutter, zu der er ein außergewöhnlich gutes Verhältnis hat. Sie hat ihn immer verstanden, ob krank oder gesund. Egal, wie viel Mist er auch gebaut hat, seine Eltern standen und stehen ihm immer zur Seite. Folgender Dreizeiler ist auf dem bereits etwas verwitterten Holzschälchen zu lesen:

„Wenn das Mondlicht bricht

Und ich am Fenster sitze

Werden Worte Text.“

Ja, das Schreiben und die Musik. Das war und ist sein Metier. Leider kann er nicht zeichnen, aber seine grenzenlose Phantasie illustriert ihm sein Leben mehr als bunt und ausführlich. Wenn man schon jeden Abend eine Tablette nehmen muss, soll das Ganze ja auch ein bisschen Spaß machen, findet Ihr nicht?

Dieses Mondlicht, auch wenn es nicht den ganzen Monat hell scheint ist doch allgegenwärtig und lässt die Beobachtungen des Freigeistes amüsant und dennoch nachdenklich erscheinen. Das Leben ist so. Man darf trauern und man darf lachen. Wer zu beidem nicht fähig ist, hat definitiv ein Problem.

Und damit beginnen die Ausführungen des poetischen Astronomen. Ein wahrhaft ungewöhnliches Interesse eines selbst erklärten Atheisten. Zu 100 % ist er dann wohl keiner, denkt so mancher jetzt vielleicht. Es bleibt abzuwarten. Was verraten die Sternzeichen?

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Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Januar 27, 2015 von in Auszüge aus Romanen.

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