Roman Reischl Blog

Roman Reischl (Autor)

Abgehoben

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Bernhard ist nicht anders wie die Anderen. Genau wie sie will auch er viel erreichen in seinem Leben. Was sollte er denn auch sonst als Ziel haben.

Jemandem unentgeltlich zu helfen, die Ärmsten der Armen unterstützen, Schwachen unter die Arme greifen? Wofür? Dadurch findet er keine Befriedigung, keine Bestätigung und damit finanziert sich sein momentaner Lebensstandard garantiert nicht.

Vom ewigen Dank kann man sich eben nicht kaufen, von Charityauszeichnungen auch nicht. Bernhard liebt gutes Essen, Autos und Multimedia, nicht zuletzt auch die Frauen. Die jungen Damen, denen er zumeist begegnet, interessieren sich gewissermaßen auch exakt für solche Dinge (ausgenommen den Frauen)

Dass sie seine Person weniger schätzen als das, was er hat, verdrängt er geschickt. Schließlich hat er all das erreicht. Manchmal fällt es ihm aber in letzter Zeit auf, dass sich die Gesprächsthemen in seiner Welt immer wieder wiederholen. Kann ganz schön öde sein. Seinen Bruder hat er lange Zeit belächelt. Der arbeitet als Entwicklungshelfer. Neulich hat er ihn auf einem Familientreffen gesehen.

Die beiden haben sich das erste Mal wieder seit Langem intensiver unterhalten. Markus, sein Bruder lebt anders. Er hat nicht viel Eigenkapital. Er schreibt neben seiner Arbeit an einem Buch, macht Musik und gibt sein Wissen weiter. Seine Lebensgefährtin beteiligt sich an der Sache. Markus ist innerlich ruhig und scheint sehr zufrieden zu sein.

Beide Brüder sind abgehoben. Bernhard in die Welt des Sehen und Gesehen werden. Markus hingegen in ein fernes Land mit anderer Kultur und Menschen, die sehr gewöhnliche Dinge zu schätzen wissen. Dort hat man mehr zu besprechen, dort muss man sich noch organisieren, dort bleibt noch Zeit, seine eigene Kreativität ins Spiel zu bringen.

Wenn Markus morgens aufsteht, sieht er den Sonnenaufgang am Horizont und er weiß, dass es viel Nützliches zu tun gibt.

Bernhard steht in der Früh am Balkon seines Hotelzimmers und ehe die Sonne aufgeht, klingelt sein Mobiltelefon. Er erfährt sogleich, wem er es heute alles Recht zu machen hat. Wofür?

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am November 27, 2014 von in Prosa.

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