Roman Reischl Blog

Roman Reischl (Autor)

Drei-Wetter-Kraft

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DIE EHE

wetter

 

Salzburger Schnürlregen, 18 Grad, der Reiseanbieter hat nicht gehalten, was er versprochen hat. Das Gejammer meiner Frau ertrage ich längst nicht mehr, das Hotel ist eine einzige Katastrophe. Der Nachwuchs führt sich im Restaurant auf wie eine Sau. Am Liebsten würde ich heute Abend alleine losziehen und in diesen geschmeidig schönen, großen Puff gehen. Doch wir hatten einst hier geheiratet und irgendwie liebe ich sie ja doch noch. Bleibt nur zu hoffen, dass das Konzert heute Abend ein bisschen was hergibt, schließlich habe ich mir in der Firma extra für diesen Städtetrip kostbaren Urlaub abziehen lassen. Ich könnte für das gleiche Geld jetzt im sonnigen Mallorca am Strand liegen.

Oslo, 10 Grad, Reif auf den Dächern, es ist sehr stürmisch, aber es musste ja unbedingt Norwegen sein, weil hier die Natur so schön ist. Dass wir von der ersten Stunde seit der Ankunft in der Bude hocken, verleitet mich zum Trinken. Die Alte war auch schon mal attraktiver. Das alte Nachthemd hätte ich mir auch zu Hause ansehen können. Der Kleine kann von mir aus seine Pubertät ausleben, aber nur wenn ich auch die Gelegenheit bekomme, mich mal wieder amüsieren zu können. Da soll noch einer sagen, die Ehe wäre eine Bereicherung für´ s Leben. Mit so einer Scheißfrisur, wie ich sie momentan habe, läuft ein Typ wie ich normalerweise nicht in hundert Jahren herum. Hoffentlich ist der Urlaub bald zu Ende, damit ich wieder arbeiten gehen kann.

Barcelona, 28 Grad, sonnig, perfekte Bedingungen für ein Sightseeing. Leider quatscht meine bessere Hälfte den ganzen Tag nur Müll. Das tut sie zu Hause zwar auch, aber da bekomme ich es im Alltag wenigstens nicht die ganze Zeit mit. Ich hatte mich auf diese Stadt gefreut, aber anstatt sie mit mir zu genießen, labert sie ständig über die Probleme ihrer noch dämlicheren Schwestern und ihrer Mutter, die leider immer noch am Leben ist. Mein Sohn interessiert sich nur für die Klamottenläden hier. Ich suche auf den bunten Plakaten an den Straßenrändern nach einer Wichsvorlage für heute Abend. Kultur sieht eigentlich anders aus. Mit meinen Kumpels bei einem kühlen Bier Fußball zu schauen hat jedenfalls mehr Reiz. Ich würde nie wieder heiraten.

Egal wie das Wetter auch ist, meine Frisur war in diesen Ferien immer die Gleiche. Warum? Weil es mir bei jedem Wetter und in jeder Stadt herzlich egal war, wie ich aussehe. Ich muss für meine Familie nicht mehr gut aussehen. Es wird höchste Eisenbahn, dass ich mich endlich wie meine beiden Kollegen bei einer Seitensprung-Agentur im Internet anmelde. Man sagt zwar, Loch ist Loch, aber ich möchte wieder einmal etwas Positives mit Überraschungseffekt von einer Frau hören. Das gäbe mir bei jedem Wetter die Kraft, mir nicht schon bald eine verdammte Kugel in den Kopf zu jagen.

 

(c) Roman Reischl, August 2014

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am August 27, 2014 von in Lyrik.

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