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Roman Reischl (Autor)

Die Ankunft

Die Ankunft

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Sie wartet seit einer geschlagenen Stunde am Bahnhof auf ihn.  Der Zug hat wieder einmal Verspätung. Die beiden lernten sich vor einiger Zeit im Internet kennen. Nun war der Zeitpunkt des Treffens gekommen. Thomas sitzt nervös im Zug und knautscht seine Mütze, ja presst sie fast zusammen. Am Bahnsteig weht ein kalter Herbstwind und Sarahkaut an ihren Fingernägeln. Vor 4 Jahren hatte sie eigentlich damit aufgehört.

Nach weiteren 15 Minuten ist es soweit: Die Bahn fährt ein. Thomas steht schon seit der letzten Station am Ausgang. Sarah blickt vom Raucherbereich zu allen aufgehenden Türen. Sie erblickt den schlanken jungen Mann nach wenigen Sekunden. Thomas kommt mit seiner schwarzen Reisetasche genau auf sie zu. Beide lächeln.

„Ich freu mich“, schiesst sie ihm entgegen.

„Wir kennen uns, dann aber auch wieder nicht“, antwortet dieser.

„Stimmt, aber das können wir ändern“, sagt Sarah.

Waswäre, hätten sie sich in einer Discothek kennengelernt, vielleicht angetrunken? Mit einem klaren Kopf ist es doch viel spannender, da man ohnehin aus dem World Wide Web schon so viel voneinander weiß. Die Zeiten haben sich geändert. Man findet sich online, vergleicht die Interessen. Man weckt Neugier mit Fotos und Smileys. Man sitzt in der Arbeit und checkt alle fünf Minuten mit Schmetterlingen im Bauch seine eMails auf dem Smartphone.

Sarah und Thomas sind angekommen in der neuen Welt. Falls sie wirklich nicht zusammenpassen, sind sie eine Erfahrung reicher. Nur so funktioniert das und es ist gut so. Vom Internet über das Telefon bis hin zum Bahnhof wurde die Ankunft geplant. Sie mussten später feststellen: Es hat sich gelohnt.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Dezember 17, 2013 von in Prosa.

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