Roman Reischl Blog

Roman Reischl (Autor)

Schmerz

Schmerz

 

Andreas war stundenlang damit beschäftigt, Filme aus dem dritten Reich zu analysieren. Auf jedem Infokanal, den er finden konnte, fernab von seinen schulischen Verpflichtungen, beispielsweise für das aktuelle Thema im Fach Geschichte zu studieren.

Der junge Mann beschäftigt sich aus reinem Interesse schon seit Jahren mit den Texten aus jener Zeit. Oft hatte er stundenlang seinem Großvater zugehört, wenn dieser aus der russischen Gefangenschaft erzählte. Er fragt sich oft, warum sich junge Leute heutzutage nicht frei fühlen.

„Eingeschlossen sein ist relativ“, denkt er sich dann. Eingesperrt in einem Straflager zum Einen, gefangen in der Welt mit enormem Druck in dieser Zeit zum Anderen. Die Suche nach vollkommener Freiheit für einen Menschen beschäftigt Andreas. Mitläufer auf seiner Schule sehen Anarchie als Lösung an. Über so etwas kann er höchstens noch lachen.

„Frei sein bedeutet, an Gott zu glauben“, sagen strenger erzogene Mitschüler. Ein weiteres Problem stellen für ihn junge Leute dar, die behaupten, dass einem Drogen dazu verhelfen, völlig loszulassen.

Vor Kurzem hat Andreas mit seiner Freundin Schluss gemacht. Er konnte es nicht mehr ertragen, nicht einmal mit anderen Frauen sprechen zu dürfen, ohne von ihrer Eifersucht geplagt zu werden.

Mehr oder weniger hat er auch seine Hoffnungen in die Politik aufgegeben. An der Korkpinnwand seines Appartements hat er Schlagwörter aufgehängt:

„Bereicherung, Betrug, Religionsfreiheit, Demonstrationen, Eurokrise, Überwachungsstaat.“

Er sieht in allen Bereichen Parallelen. „Der Stärkere überlebt“, antwortete er seiner Lehrerin in jeder Unterrichtsstunde bei Allem, mit dem sie ihm kam.

Andreas möchte gerne intensiver leben. Wenn er die deutsche Nationalhymne hört, kann er sich nicht damit identifizieren. Vor dem Einschlafen trifft ihn der Text oft wie ein Blitz.

Einigkeit – Wessis und Ossis werden immer noch getrennt angesehen, das fängt bei Gehältern an und endet des Öfteren in Fußballstadien. „Wie soll man mit dieser Basis ein funktionierendes, vereintes Europa erschaffen?“

Recht – „Ämter verheimlichen wirklich Bedürftigen Leistungen, weil diese nicht alle Gesetzestexte kennen. Menschen in harten Dienstleistungsberufen verdienen Mindestlöhne, haben schwache Gewerkschaften und Überstunden fallen unter den Tisch. Teenager träumen vermehrt von einer Karriere als „Star““, als sich Gedanken über eine solide Berufsausbildung zu machen.“

Freiheit – Andreas´ Lieblingsthema.

„Ich habe jetzt als junger Mensch ein Buch geschrieben“ , sagt er zu einer Journalistin der Lokalzeitung.

„Es steht in den Regalen und dort wird es wohl bleiben!“, fügt er hinzu.

„Wenn du hier in Oberbayern dein Kind nicht katholisch taufen lässt, wirst du auf dem Dorf schief angeschaut. Wer redet da von Religionsfreiheit? Im krassen Gegensatz dazu entstehen in den großen Städten Moscheen. In arabischen Staaten dürfen Frauen verbrannt werden, nicht aber ein Buch namens Koran. Wo sind die Prioritäten?

„Warum sind so viele gegeneinander und predigen miteinander?“, fragt er sich.

Frei sein – „Es bedeutet loslassen, oftmals auch von Gewohnheiten, Süchten und Überzeugungen. Anderen zuhören, die schönen Dinge intensivieren, das Ganze zu verbinden und zur Kenntnis nehmen, dass sich die meisten damit schwer tun. Freiheit bedeutet für Andreas:

„Endlich aufhören, sich so viele Gedanken zu machen, andere Meinungen zu akzeptieren und sich auf sich selbst zu konzentrieren. Die Menschen sind niemals komplett frei, denn es gibt immer wieder Gegenwind. Egal ob in Europa, Afrika oder Asien. Die Ziele sind auf Grund der Lebensumstände nur anders gesteckt. Für mich ist Freiheit grenzenlos. Wir sind Menschen und durch die Instinkte Essen, Schlafen und Vermehrung nicht mehr befriedigt. Wir brauchen mehr! Wir haben ein Sprachzentrum für ein anderes, erweitertes Denken entwickelt. Wir lieben unseren Ursprung, die Eltern, wir testen das andere Geschlecht teilweise wahllos aus. Die Triebe beeinflussen evolutionär begründet unser Sexleben, das leider nicht mehr oft von Liebe geprägt ist“

Andreas ist jetzt an einem Punkt angelangt, seine persönliche Gelassenheit zu finden. Er hat erkannt, dass er in einer Epoche lebt, in der er sich im Gegensatz zu seinen Vorfahren selbst verwirklichen kann. Er darf hier sagen, was er denkt, auch wenn es teilweise auf negative Resonanz stößt. Er beobachtet das Leben der Anderen und den Trubel. Danach setzt er sich in die Natur  und schreibt sich alle Sorgen vom Leib. Ein anderer würde es eventuell in einem selbstgemachten Lied verarbeiten, ein Dritter ein aussagekräftiges Bild zeichnen. Sein Rezept lautet also:

Kreativität, mach was du willst, nur mache es. Passe dich nicht an und falle durch Extravaganz auf. Denn deine Gedanken sind frei, spiegeln sie sich in deiner Erschaffung wider, gibst du deiner Freiheit Ausdruck. Dieses Land gibt mir die Möglichkeit, in einigen anderen käme ich in Haft. Doch hinter verschlossenen Türen wäre immer noch mein freier Gedanke, meine Kraft.“

Einigkeit und Recht und Freiheit, es gibt nirgends auf der Welt eine  aussagekräftigere Hymne. Doch viele Menschen  leben es nicht aus, obwohl sie es könnten. Bleibe dir selbst treu und überwinde den Schmerz, den jeder Mensch kennt. Ansonsten würden nicht so viele zu Hilfsmitteln greifen. Ein glücklicher Moment löscht oft hunderte Schlechte einfach aus.

Wir sind auch nur Tiere, die den Moment auskosten und nur angriffslustig werden, wenn es um die Existenz geht. Wer sein Gehirn des Homo sapiens mit den Urtrieben unserer Affen vereinbaren kann, wird frei sein. Für einen Weltfrieden ist es zu spät. Die sogenannte Intelligenz hat uns das Gefühl des Hasses beschert. Die Religion hat ihren Rest dazu gegeben. Religion ist das Mittel,  um den Menschen zu vergiften. Ungefragt leiden die meisten unter dieser Qual, dieser Unfreiheit.

Ein Aufbürden von veralterten Ansichten, Auslöser der meisten Kriege.. Diese Leute sind nicht frei, sie sind eingesperrt erzogen und eingepfercht in ihre Denkensweise.

Andreas sagt: „Nur der Atheismus und der Versuch, gut zu sein wird die Gemeinschaft der Erde, den Frieden und die Freiheit noch retten können.“

Denn der Spruch „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“ findet auf keinem Kontinent eine Bestätigung.  „Leben und leben lassen“ ebenso wenig.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am August 1, 2012 von in Prosa.

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