Roman Reischl Blog

Roman Reischl (Autor)

Menschliche Mathematik

Menschliche Mathematik

 Ich zähle mein Geld, bevor ich einkaufen gehe. Ich zähle die Stunden, wenn ich mich auf etwas freue. Ich zähle die Beträge der Lebensmittel im Supermarkt zusammen, bevor ich an die Kasse gehe. Ich zähle auf dich, wenn du mir etwas versprichst. Ich zähle meine Lebensjahre, es werden leider immer mehr. Ich zähle Schäfchen, wenn ich einmal wieder nicht einschlafen kann.

Doch man zählt nicht nur, man zahlt auch kräftig.

Ich zahle Steuern, ich zahle Benzin, Heizkosten und Strom. Ich zahle Lehrgeld, wenn ich etwas nicht weiß. Am Höchsten sind die Abzüge, die Abzocke der Telekommunikation und die GEZ für schlechtes Programm.

Wenn man Hass für jemanden empfindet oder enttäuscht ist, denkt man: „Das zahl ich dir heim“ oder „Dafür wirst du bezahlen“. Mir reicht, wenn mein Arbeitgeber rechtzeitig bezahlt, damit ich alles zahlen kann. Das ist keine Algebra, keine Geometrie, sondern die Mathematik des Lebens. Um sich davon freizumachen, müsste man ein Hippie- oder Einsiedlerleben führen.

Um die ganzen Zahlen wieder richtig zu verstehen, sollte man Esotheriker sein:

Die 1 steht für den Sieger der Wettbewerbe, die 2 für den Verfolger der höchsten Ziele. Die 3 sind alle guten Dinge. 4 Elemente prägen den Planeten mit 5 Weltreligionen. 6 Tage dauert es, bis Sonntag ist. 7 ist der Leute Lieblingszahl und die 8 kannst du wie mich auf den Kopf stellen, sie bleibt bestehen. 9-mal Kluge regieren die Welt und die 10 Gebote werden täglich gebrochen.

Ich zähle nicht bis zwanzig, Mathe mochte ich noch nie. Ich zähle die schönen Tage meines Lebens, die schlechten lasse ich weg, dann bleibe ich im Herzen jünger. Weiterhin erspare ich mir das Gerede anderer, damit ich weiß, auf wen ich zählen kann. Meine Freunde haben keine Nummern, dennoch kann ich sie an einer Hand abzählen. Hauptsache, sie stehen mir bei, in guten wie in schlechten Zeiten. Ohne Bezahlung.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am März 28, 2012 von in Lyrik.

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