Roman Reischl Blog

Roman Reischl (Autor)

Kein Wunder

Kein Wunder

 

Neulich habe ich mich zu weit über die Brüstung gelehnt. Ich bin abgerutscht und fiel drei Meter in die Tiefe. Glücklicherweise landete ich auf den Beinen und blieb bis auf ein paar Kratzer weitgehend unverletzt.

Eines Abends habe ich mich mit einem anderen Kerl geprügelt. Er fügte mir einen tiefen Riss an den Oberschenkeln zu, das Blut lief in Strömen. Natürlich wurde alles behandelt, als ich nach Hause kam, die Wunde ist komplett abgeheilt.

Nur wenige Tage später wurde ich dann noch von einem Auto angefahren und purzelte die Böschung hinunter. Mein Bein war gebrochen, dazu eine leichte Gehirnerschütterung. Es dauerte keine Woche, bis es mir wieder einigermaßen gut ging.

Zu guter Letzt fuhren meine Leute in den Urlaub und vergaßen, mir etwas zu Essen da zu lassen. Ich bin nicht gewohnt, mir selbst Nahrung zu besorgen, aber mir blieb nichts anderes übrig.

Bevor sie wieder nach Hause kamen, frönte ich meinem Hobby, dem Klettern. Leider verschätzte ich mich diesmal ein wenig und stieg zu hoch. Die Feuerwehr rettete mich Gott sei Dank.

Nach all diesen Unfällen war ich wütend und ich biss jemandem, der kleiner war als ich in den Hals. Mein Instinkt ging mit mir durch. Als ich ihn sah, bekam ich Mordgelüste. Der Kleine hatte keine Chance gegen mich. In meinem Rausch legte ich die Leiche schließlich vor die Kellertür. Ich weiß nicht, warum, aber ich war auch noch stolz darauf.

Nichtsdestotrotz bin ich jung geblieben und spiele auch gerne mal eine Runde mit dem Nachwuchs. Ich liebe meine Familie. Ich habe nur getan, was getan werden musste. Ich habe doch so viel Wärme abzugeben.

Meine Pechsträhne riss allerdings nicht ab. Zu allem Übel stolperte ich im Herbst noch in einen reissenden, eiskalten Fluss. Mit letzter Kraft rettete ich mich an einem Ast. Aber es ist kein Wunder, dass ich das alles überlebt habe und nicht bestraft wurde. Ich bin ein Kater, Jahrgang 2009 und habe sieben Leben. Jetzt möchte ich kuscheln.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am März 25, 2012 von in Kurzgeschichten.

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