Roman Reischl Blog

Roman Reischl (Autor)

Blütenmeer

Blütenmeer

 

Das ist die Geschichte eines jungen Prinzen. Er wollte keinen Krieg führen wie seine Brüder. Stattdessen presste er Frühlingsblumen aus und kreierte Düfte und Parfums, die den Frauen gefielen.

Er sagte: „Blüten sind die Schönheit in Reinform, sie geben durch ihren Geruch inneren Frieden.“

Wenn der Lenz die ersten Knospen hervorbrachte, wartete er schon. Alle lachten ihn deswegen aus, denn er behauptete:

„Dort wo die Menschen lächeln, sitzt Gott auf einer Lotusblüte. Hier, wo ihr im Namen Gottes in den Krieg zieht, hängt er blutüberströmt am Kreuz.“

In seinen Träumen tauchte auch immer wieder eine verschleierte Frau auf und flüsterte:

„Wir sind alle gleich, ob Frau oder Mann, warum muss ich mein Gesicht verstecken?“

Der Prinz las zwei Bücher. Den Koran und die Bibel. Er stellte fest, dass etwas anderes darin steht, als in den letzten Jahrhunderten ausgelebt wurde. Er ging in den Garten: Frühling, neue Knospen, Wachstum an jeder Ecke.

„Tiere ernähren sich davon, das schönere Geschlecht schwärmt davon, wir schmücken damit sowohl Hochzeiten als auch die Gräber. Ich liege komplett richtig.“

Als sehr alter Mann hatte der Prinz noch einen Traum: Eine Lotusblume trieb im Fluss dahin, wurde angeschwemmt und lebte am Ufer wieder auf. Da erkannte er, dass er nicht aus Staub entstand und wieder zu Staub werde, wie seine Väter glaubten.

„Wasser bin ich! Und aus dem Wasser stamme ich! Ich bin eine Evolution.“

Er sah sich das Meer an, lauschte dem Rauschen. Der Herbst kehrte langsam ein. Pflanzen verwelkten, doch ihre Wurzel blieb in der Erde verankert. Sie zogen Flüssigkeit auf für ein neues Frühjahr, einen Neubeginn. Die Erbschaft des Blütenmeeres beginnt mit dem Ableben der Blume. Für neue Düfte, neue Eindrücke. Das Leben geht weiter, immer weiter…

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am März 22, 2012 von in Kurzgeschichten.

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