Roman Reischl Blog

Roman Reischl (Autor)

Chaos

Chaos

 

 

 

Neulich begegneten mir viele neue Menschen. Mit dem einen redet man stundenlang, der andere wird nach fünf Minuten abgewürgt. Doch alle hatten eines gemeinsam:

Geldsorgen, Job- und Zukunftsängste.

 

Dass er sich schäme, Hartz IV beantragen zu müssen sagte ein junger Mann am Tresen in einem Café in der Innenstadt zu mir. Gleichgestellt zu werden mit Leuten, die keinen Bock haben zu arbeiten.

 

Eine Frau am Nebentisch bekam unser Gespräch gezwungener Maßen mit. Sie setzte sich zu uns und ich spendierte ihr eine Weinschorle. Melanie, so hieß sie, hatte in München Politikwissenschaften studiert. Im Moment arbeitet sie für die Boulevardpresse.

 

„Und jetzt sage ich euch was“, holte sie aus.

 

„Hinter den Kulissen einiger Parteien und auch Firmen geht noch mehr ab, als man durch uns oder das TV erfährt. Die Spendengelder, Reisen finanziert durch Steuern oder Sexorgien wie bei diesen Versicherungsunternehmen sind noch harmlos.“

 

Sie erzählte uns, dass korrupte Manager und Politiker über Hintermänner sie schon wegen einiger Berichterstattungen persönlich bedroht haben. Dass die Kluft zwischen arm und reich nicht mehr zu verhindern sei, ist Fakt. Sie sprach auch mit einem Rechtsgelehrten. Der sagte:

 

„In Wirklichkeit ist neben Justiz und Sozialstaat das ganze Verhältnis der Gesellschaft extrem gestört. Schalten Sie das TV an, gehen Sie auf die Straße, leben Sie in einem Großstadtviertel – Schauen Sie auf Folgendes:

 

Kaputte Währung, hyperaktive Jugend ohne Vision, ein Bundespräsident, der bescheißt und lügt, dafür eine fette Rente kassiert. Zeitarbeitsfirmen, Abzocke der Mobilfunkunternehmen, Bürokratie ohne Ende in den Ämtern, Kinderschänder mit geringer Bestrafung, verwahlloste Patchwork – Familien, Lebensmittelrausch, Wegwerfgesellschaft. Seien Sie ehrlich – es gibt ärmere Länder mit glücklicheren, zufriedeneren Menschen. Ich habe meine Anwaltskanzlei aufgegeben. Das Chaos autonomer Hilfsorganisationen ist mir lieber.“

 

„Egal, welche Partei sie wählen, wählen sie in ihrem Leben die fehlende Zwischenmenschlichkeit für ein gesundes Chaos“, sagte ich am Tresen zu beiden Leuten und bestellte etwas zu trinken, um den Kopf zu ordnen, denn es war wieder Vollmond.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Februar 10, 2012 von in Kurzgeschichten.

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