Roman Reischl Blog

Roman Reischl (Autor)

Der Zauberlehrling

Der Zauberlehrling

 

 

Ein modernes Märchen in Anlehnung an gleichnamiges Gedicht von

Johann Wolfgang von Goethe

Nebelschwaden und feuchtes Morgentau überzogen das weite Land in den frühen Stunden schon seit geraumer Zeit. Der Herbst hielt Einkehr und das Jahr ging langsam zur Neige. Grau und alt fühlte sich auch der alte Hexenmeister, wenn er auf sein Leben zurückblickte. Er brauchte dringend Urlaub. Auf Grund seines Interesses an der Moderne und der Jugend hatte er sich einen Lehrling in die alte Mühle am Rand des Dorfes geholt. Der junge und eifrige Geselle war stets aufmerksam in den Lehrstunden seines Herrn.

Der Meister hoffte, dass sein Ziehsohn eines Tages wie er seine Zauberkräfte bewusst und nur für gute Dinge einsetzen würde.

„Seine Wort und Werke merkt ich und den Brauch, und mit Geistesstärke tu ich Wunder auch!“

Der große Zauberer bremste ihn ein und erklärte seinem Schützling, dass er im den Wintertagen eine Weile fortfahren würde.

„Kann ich dir mein Haus mit all seinen wundersamen Dingen anvertrauen? Wirst du meine umfangreiche Formelsammlung beherrschen, falls etwas Unvorhersehbares passiert?“

„Selbstverständlich, Meister. Ich werde die Mühle hüten wie meinen eigenen Augapfel.“

„Seh´ dich aber vor, Junge. Die Zeiten haben sich geändert. Neulich wollte mir ein Vertreter an der Haustür einen Staubsauger andrehen. Selbst mir fallen manchmal nicht die richtigen Zaubersprüche ein. Statt jenen über alle Berge zu schicken, standen auf einmal drei seiner Sorte in der Stube und reinigten den Boden.“

Wie dem auch sei, der alte Herr verließ das Haus und gab dem Jüngling sein absolutes Vertrauen. Als nun dieser alleine im Wohngemach saß, betrachtete er gewisse Dinge seines Herrn etwas genauer. Der umgebaute und aufgerüstete Computer mit drei Bildschirmen war faszinierend.

„Endlich kann ich einmal das High – Speed DSL ungestört nutzen. Vielleicht kann ich mir auch online das Leben in der alten Bude ein wenig erleichtern.“

Auch der Flachbildfernseher schien alles andere als gewöhnlich zu sein. Wie eine Kinoleinwand erleuchtete das Zauber – TV den gesamten Raum. Zunächst jedoch widmete sich der Lehrling dem Internet. Tolle Angebote mit Direktversand tauchten da auf. So ein iPhone wünschte er sich schon so lange, hatte doch der Hexenmeister schließlich auch eines. Ein Klick, ein paar Daten eingeben und null Euro bezahlen. Was für ein Schnäppchen. Leider bemerkte er erst am Tag darauf, als das Gerät schon im Briefkasten lag:

„Oh je, oh weh, ich habe das Super – Kombi – Paket bestellt. Zwei Jahre Mindestvertragslaufzeit und 80 Euro Grundgebühr im Monat. Das wollte ich ja gar nicht. Die Geister die ich rief, wie werde ich sie nur wieder los?

Einen passenden Zauberspruch hatte er nicht zur Hand. Um sich erstmal zu beruhigen, schaltete er den Fernseher an. Im Zauberkanal 1 boten sympathische Nachwuchszauberer wundervolle Dinge an.

„Ich bestelle dem Meister dort etwas schönes“, beschloss der Junge.„Dann ist er sicherlich nicht so zornig, wenn er das Handy sieht.“

Doch oh weh, oh je. Am darauf folgenden Morgen bemerkte er den Schlamassel. Seinen alten Hexenmeister hatte er anhand der Verträge verpflichtet mindestens fünf Jahre Beiträge für einen Club eines Verlagshauses zu zahlen. Eine weitere Auflage war, vierteljährlich etwas aus dem Katalog zu bestellen.

Noch bevor er die Zeit fand, einen Gegenspruch gegen dieses Werk zu suchen, kam der alte Hexer von seiner Reise zurück. Dieser erkannte das Problem sofort und wünschte sich die ganze Mühle im Moor zurück in die 80er Jahre.„

„Das sei es gewesen. Denn als Geister….ruft euch zu diesem Zwecke keiner mehr und wenn, dann nur der alte Meister!“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am September 30, 2011 von in Kurzgeschichten.

Tags

Literaturdepot

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 20 Followern an

%d Bloggern gefällt das: