Roman Reischl Blog

Roman Reischl (Autor)

Perfectland

Perfectland

Perfectland hat einige Dinge konsequent abgeschafft. Wirtschaftlich gesehen spielt es daher keine große Rolle mehr in Badworld.

Ich bin vor kurzem einmal dort gewesen. Der zuständige Minister hat mir sein kleines Erfolgsrezept auf Grund wachsender Bevölkerung verraten und klargestellt, warum Perfectland auf keinerlei Hilfen mehr angewiesen sei.

Folgende Punkte kamen zur Sprache:

Schönreden ist out. Wer hässlich redet, hat mehr Spaß im Leben und kann dadurch innere Schönheit besser abspeichern.

Beim Thema Pseudo-Kult fing er an zu schmunzeln: „Das!“, sagte er lächelnd „war das größte Problem in Capitalcity, bevor wir uns umbenannt haben. Ich wollte einfach nicht mehr nach St. Pauli fahren und nebenbei auch noch das Geschäft betreiben.“

Ich konnte das alles sehr gut nachvollziehen. Er hatte einfach die Schnauze voll. Das Lügen der Großen ging ihm trotz seines vermeintlichen Strebens nach Recht auf die Hoden.

In Perfectland kann er sich gut abschotten. Er muss keinen Witwen von Dieter Bohlen mehr beim Tapezieren zusehen. Seinem Kind, das Jahre zuvor noch versehentlich den Fernseher verschluckt hatte, ging es nach und nach auch wieder besser.

Dass ihm das Verrecken der Menschen in Libyen auf offener Straße, das Gift in Japan im Vorabendprogramm zusetzen, ist verständlich, auch wenn lustige Mainzelmännchen kurz darauf durch die Röhre purzeln.

Der Minister von Perfectland hat sich ein bisschen entfernt und ein neues Land gegründet. Für eine Revolution ist er leider zu schwach. Wäre auch zuviel verlangt. Er setzt sich nur ein bisschen ein. Für alle, die es langsam zum Kotzen finden.

Perfectland braucht keine Hilfe. Perfectland ist hilflos. Frei aber dennoch. Ohne Hauptstadt, Parteien und Grundlagen ist es in vielen Köpfen vorhanden. Ohne jegliche Kampagne und viel Aufruhr.

Deshalb ist Perfectland sehr groß. Denn man darf dort Scheisse reden und fluchen. Perfectland ist aber keine Anarchie. Im Gegenteil. Die Regeln sind äußerst streng.

Sieben mal die Woche muss man nachdenken. Die Einbürgerung bedarf jedoch keiner bestimmten Herkunft.

Aber um in Perfectland richtig Fuß zu fassen, muss man, zugegeben, ein richtiger Schwachkopf sein:

Man muss noch lieben können.

Man darf blaue Augen nicht mit deren Äugigkeit verwechsn.

Man sollte Krieg anzetteln gegen die Krieger.

Jeder achte Bürger wird übrigens mit einem Preis geehrt. Den Namen verrate ich nicht. Einen Haken hat Perfectland:

Man weiß um seine Existenz

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am September 19, 2011 von in Lyrik.

Tags

Literaturdepot

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 20 Followern an

%d Bloggern gefällt das: